Im Unterricht begegnen Lehrkräfte unterschiedlichen Motivationen bei ihren Schülerinnen und Schüler, die deren Engagement, Lernverhalten und Leistung beeinflussen. Diese Motivationen können grob in zwei Kategorien unterteilt werden: extrinsische und intrinsische Motivation.
Extrinsische Motivation bezieht sich auf äußere Anreize, die das Verhalten der Lernenden beeinflussen. Hierzu zählen Belohnungen wie Noten, Lob, oder das Streben nach Anerkennung und Erfolg. Auch das Vermeiden von Strafen oder negativen Konsequenzen kann eine treibende Kraft sein. In vielen schulischen Kontexten, besonders in Prüfungsphasen, spielt extrinsische Motivation eine bedeutende Rolle. Schülerinnen und Schüler arbeiten oft, um gute Noten zu erzielen oder die Erwartungen ihrer Eltern und Lehrer zu erfüllen.
Intrinsische Motivation hingegen kommt von innen heraus. Sie bezieht sich auf das Interesse, die Neugier oder die Freude am Lernen selbst. Kinder und Jugendliche, die intrinsisch motiviert sind, engagieren sich nicht aus äußeren Belohnungen, sondern weil sie die Lerninhalte als bedeutungsvoll und spannend empfinden. Diese Art der Motivation geht oft mit einem hohen Maß an Selbstbestimmung, intrinsischer Zufriedenheit und einer positiven Einstellung zum Lernen einher.
Intrinsische Motivation und ihre Vorteile
Die intrinsische Motivation gilt als besonders nachhaltig und förderlich für langfristigen Lernerfolg. Schülerinnen und Schüler, die aus innerer Überzeugung und Interesse lernen, zeigen eine tiefere Auseinandersetzung mit dem Lernstoff und sind oft kreativer und ausdauernder.
Interesse und Neugier sind mächtige Quellen intrinsischer Motivation, da sie das Lernen als bereichernde und befriedigende Erfahrung gestalten. Sie führen nicht nur zu einem tieferen Verständnis und nachhaltigem Lernerfolg, sondern fördern auch Kreativität, Problemlösungsfähigkeiten und eine positive Haltung zum Lernen. In einer Bildungsumgebung, die Interesse und Neugier anregt, sind Schülerinnen und Schüler besser in der Lage, eigenständig zu denken, neue Herausforderungen anzunehmen und langfristig motiviert zu bleiben. Die Förderung dieser intrinsischen Motivationen ist daher von zentraler Bedeutung für eine effektive und ganzheitliche Bildung.
Die Vorteile intrinsischer Motivationen wie Neugier und Interesse:
- Tiefe Auseinandersetzung mit dem Lernstoff
- Höhere Lernfreude und Zufriedenheit
- Förderung der Selbstbestimmung
- Langfristige Lernergebnisse
- Kreativität und kritisches Denken
- Argumentation für Selbstständigkeit im Kunstunterricht

Schülerinnen und Schüler, die intrinsisch motiviert sind, beschäftigen sich intensiver mit den Inhalten. Sie lernen nicht nur aus der Notwendigkeit heraus, gute Noten zu erzielen, sondern auch, weil sie das Thema verstehen und vertiefen möchten. Dies führt zu einem besseren Verständnis und einer nachhaltigeren Wissensverankerung. Bildnerische Arbeitsprozesse werden ohne Anschub von außen aufgenommen und durchgeführt. Für Lehrkräfte ist das insofern hilfreich, als sie keine Energie zur Motivation ihrer Schülerinnen und Schüler aufbringen müssen. Intrinsisch motivierte Kinder und Jugendliche kommen wesentlich leichter in einen Flow.
Da intrinsische Motivation mit dem inneren Antrieb zur Entdeckung und Weiterentwicklung verknüpft ist, gehen Schülerinnen und Schüler mit einer positiven Einstellung an Aufgaben heran. Das Lernen selbst wird als bereichernd erlebt und führt zu einer höheren Lernzufriedenheit. Dies wiederum stärkt das Selbstwertgefühl und die Bereitschaft, sich auch in Zukunft mit neuen Herausforderungen auseinanderzusetzen.
Intrinsisch motivierte Schülerinnen und Schüler übernehmen Verantwortung für ihren eigenen Lernprozess. Sie sind weniger von externen Anreizen abhängig und entwickeln die Fähigkeit, sich selbst zu steuern und ihre Lernziele eigenständig zu verfolgen. Dies trägt nicht nur zu einem besseren Lernverhalten bei, sondern fördert auch die Entwicklung von Schlüsselkompetenzen wie Selbstdisziplin und Problemlösungsfähigkeiten.
Studien zeigen, dass intrinsisch motivierte Schülerinnen und Schüler tendenziell langfristig erfolgreich sind. Sie neigen dazu, sich auch in Zeiten des Misserfolgs nicht entmutigen zu lassen, da ihre Motivation nicht nur von äußeren Ergebnissen abhängt. Sie sehen Rückschläge als Teil des Lernprozesses und bleiben trotz Hindernissen engagiert.
Wenn Schülerinnen und Schüler von innen heraus motiviert sind, sind sie häufig bereit, innovative Lösungsansätze zu entwickeln und sich tiefer mit komplexen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Sie sind offener für neue Ideen und experimentieren eher mit verschiedenen Denkansätzen. Dies ist gerade im Kunstunterricht von herausragender Bedeutung, da es das kreative Arbeiten fördert sowie die Fähigkeit, kritisch zu denken.

Interesse und Neugier als Antrieb im Kunstunterricht
Interesse und Neugier gehören zu den zentralen Komponenten der intrinsischen Motivation, da sie den inneren Drang widerspiegeln, Wissen zu erlangen und zu entdecken, ohne dabei auf äußere Belohnungen angewiesen zu sein. Beide Motivationen sind eng miteinander verbunden, da Neugier oft das Interesse an einem bestimmten Thema oder einer Fragestellung weckt und das Interesse wiederum die Neugier aufrechterhält.
Interesse entsteht, wenn ein Schüler ein Thema als persönlich relevant oder spannend empfindet. Es handelt sich dabei um die positive, emotionale Reaktion auf etwas, das als wertvoll oder bedeutungsvoll angesehen wird. Wenn Schüler ein Interesse an einem Fach oder Thema entwickeln, sind sie eher bereit, sich intensiv damit auseinanderzusetzen, auch wenn dies mit Anstrengung und Zeitaufwand verbunden ist. Das Interesse kann sowohl an konkreten Inhalten als auch an spezifischen Fragestellungen oder Herausforderungen bestehen.
Neugier ist der Drang, Neues zu erfahren und unbekannte Informationen zu entdecken. Sie ist ein natürlicher, innerer Zustand des Verlangens, Unbekanntes zu verstehen. Neugierige Schüler stellen Fragen, forschen weiter und suchen aktiv nach Antworten. Sie sind oft bereit, auch komplexe Themen zu erforschen und tiefer zu graben, weil der Akt des Entdeckens an sich eine Belohnung für sie darstellt.
Schülerinnen und Schüler, die durch Interesse und Neugier motiviert sind, beschäftigen sich intensiver mit bildnerischen Prozessen sowie mit Inhalten einer Rezeption von Kunst. Sie sehen das Lernen nicht nur als Mittel zum Erreichen einer Note oder als Pflichtaufgabe, sondern als eine spannende Aufgabe, vielleicht sogar als Abenteuer. Diese Art der Auseinandersetzung führt zu einer besseren Verarbeitung und tieferem Verständnis der eigen angestoßenen Prozesse. Sie finden Befriedigung in der Entdeckung und dem Erwerb neuen Wissens, was eine nachhaltige Lernmotivation fördert.
Neugier treibt Schüler dazu an, neue Perspektiven einzunehmen und verschiedene Lösungsansätze auszuprobieren. Diese geistige Flexibilität und die Bereitschaft, unbekannte Gebiete zu erkunden, fördern nicht nur das kreative Denken, sondern auch die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen. Interesse und Neugier sind daher nicht nur hilfreich für das Lernen von Fakten, sondern auch für die Entwicklung wichtiger kognitiver und kreativer Fähigkeiten.
Schülerinnen und Schüler, die interessiert sind und neugierig bleiben, empfinden das Durchlaufen bildnerischer Prozesse als spezifische Form des Lernens weniger stressig und unangenehm als extrinsisch motivierte Aufgaben. Sie fühlen sich durch das Arbeiten selbst belohnt und erleben eine tiefere Zufriedenheit mit ihrem Fortschritt. Dies stärkt nicht nur das Selbstwertgefühl, sondern auch das allgemeine Wohlbefinden der Kinder und Jugendlichen, was wiederum zu einer positiven Einstellung gegenüber Lernen und Bildung im Allgemeinen führt.
Wer durch Interesse und Neugier motiviert ist, übernimmt eine aktive Rolle im Arbeits- und Lernprozess. Man entscheidet selbst, welche Themen vertieft werden. Schülerinnen und Schüler verfolgen diese Interessen unabhängig von äußeren Vorgaben. Diese Selbstbestimmung stärkt das Gefühl, Aufgaben selbstständig angehen zu können.
Selbstständigkeit im Kunstunterricht spielt eine entscheidende Rolle für die kreative und persönliche Entwicklung der Schüler. Kunst ist nicht nur eine Disziplin, in der es um Technik und Fertigkeiten geht, sondern auch um den Ausdruck individueller Gedanken, Gefühle und Ideen. Eine Förderung der Selbstständigkeit im Kunstunterricht ermöglicht es den Schülerinnen und Schülern, ihre eigene Stimme zu finden, Verantwortung für ihren Lernprozess zu übernehmen und ihre kreativen Fähigkeiten unabhängig weiterzuentwickeln.

Wie lege ich Kunstunterricht orientiert an der Neugier und den Interessen der Schülerinnen und Schüler an?
Reduzieren Sie die Vorgaben auf die unbedingt notwendigen Angaben. Ist es zentrales Lernziel, Kompetenzen in der Anlage von Stillleben anzulegen und zu festigen, können die darzustellenden Objekte sowie die meisten Materialien freigegeben werden. Kinder und Jugendliche erwerben die Kompetenzen zur Anlage von Stillleben leichter, wenn sie ihre eigenen Objekte zur Darstellung aussuchen (und mitbringen). Es ist nicht notwendig, dass alle Schülerinnen und Schüler die identischen von Ihnen vorgegeben Gegenstände abbilden.
Lassen sich Kompetenzen bei der Darstellung eines Stilllebens vielleicht sogar so anlegen, wenn die einen Kinder/ Jugendliche mit Wasserfarben arbeiten, andere mit Holzfarben, die nächsten mit Kugelschreiber, andere mit einem Hochdruck? Die Antwort dürfte bekannt sein. Lassen Sie den Schülerinnen und Schülern die Freiheiten, die unter Aufrechterhalten der Lern- und Kompetenzziele möglich sind. Als Beifang gewinnen Sie motivierte Schülerinnen und Schüler, die zahlreiche Komponenten der bildnerischen Praxis eigenständig angehen, ihr Material organisieren…