Szenische Praxis

Kleine Szenerien ohne viel Aufwand versprechen eine gute Grundlage szenischer Praxis. Sie können in überschaubarer Zeit als Etüde eingeführt werden und über die immer mal wiederkehrende Wiederholung geübt, vertieft und verfeinert werden. Sie eignen sich ebenso für Schülerinnen und Schüler der Grundschule wie für Jugendliche auf den weiterführenden Schulen.*

Über das Szenisches Spiel können soziale Prozesse unterstützt werden, da bei vielen Übungen auf den anderen zugegangen werden muss, der Mitspieler beachtet werden muss, er gezielt in Szene gesetzt werden muss etc. Zudem werden das Körperbewusstsein geschult sowie das bewusste Sprechen geübt.


Werfen

  • Zeit: ca. 15 Minuten
  • Benötigtes Zubehör: Platz, sonst nichts… [ggf. Turnhalle oder Pausenhof]
  • Ausgangssituation: Die Schülerinnen und Schüler stellen sich im Kreis auf. Bei vielen TN können auch zwei Kreise gemacht werden.
  • Szene I: Einer beginnt, einen imaginären Ball in der Hand zu halten und in der Imitation einer Wurfbewegung einem Gegenüber stumm zuzuwerfen. Dieser „fängt“ den Ball stumm und wirft ihn schließlich weiter… usw.
  • Szene II: Die Szene I wird fortgesetzt. Beim Wurf ruft der/ die Werfende „Da!“ und der/die Fangende „Hab ihn!“.
  • Szene III: Der/ Die Werfende nimmt nun einen Gegegenstand, den ihm/ihr die Lehrkraft überreicht, z.B.: Waschlappen, Kiste, Vase, nasse Seife, schwerer Stein, Tischtennisball, Laptop etc. Dieses Objekt wird wie zuvor in Szene I der „Ball“ einander stumm zugeworfen.
  • Szene IV: Die gleichen Gegenstände werden nun weiter zugeworfen. Der Wurf wird mit passenden Ausrufen begleitet, z.B. „Iihhh.:.“, „ööörghh“… Der/ die Letzte übergibt das Objekt wieder der Lehrkraft.
  • Aufgaben der Lehrkraft: Genauigkeit der Körpersprache begleiten; Koordination von Körper und Sprache reflektieren.

Spiegelbilder

  • Zeit: ca. 10 Minuten
  • Benötigtes Zubehör: wenn vorhanden ein Rahmen, geht auch ohne
  • Ausgangssituation: mit Partner/in zusammen gehen und im Raum locker verteilen
  • Szene I: Die beiden stehen sich locker gegenüber, einer ist das Spiegelbild des Anderen. Der Jüngere beginnt mit ruhigen Bewegungen, die der Partner oder die Partnerin spiegelverkehrt ausführt. Die Bewegungen sollten zunächst mit den Händen und Armen erfolgen und erst später den weiteren Körper mit einbeziehen. Auf Zuruf wechselt die Führung. Mehrere Wechsel.
  • Szene II: Die zweite Szene ist etwas anspruchsvoller. Es werden wie in Szene I Bewegungen ausgeführt, die der/die Partner/in spiegelt. Der Führungswechsel soll nun aber nonverbal zwischen den Beiden verhandelt werden. Mehrere Wechsel des Impulsgebers.
  • Aufgaben der Lehrkraft: Auf Schwierigkeiten in der nonverbalen Kommunikation achten und bei Bedarf die Partner unterstützen.

Museum der Emotionen

  • Zeit: ca. 5-10 Minuten
  • Benötigtes Zubehör: nichts
  • Ausgangssituation: Aufteilung der Klasse in zwei Gruppen; sie befinden sich in einem Museum mit Statuen. Eine Gruppe wird >Museumsbesucher<, eine Gruppe stellt die >Exponate< dar.
  • Szene I: Die >Exponate< stehen im Raum verteilt zwischen den >Museumsbesuchern<. Die Lehrkraft ruft den >Exponaten< eine knappe Information zu einer Situation zu, die diese dann als Statue darstellen. Der Focus liegt auf der Darstellung der Emotion. z.B. Du stellst gerade fest, dass Du Dein Geld verloren hast./ Nach langem Suchen findest Du Deinen Hausschlüssle wieder./ Deine Mutter nimmt Dir Dein Handy ab. etc. Schnell überlegen die >Exponate<, wie sie die Situation darstellen wollen und frieren diese ein. Die >Besucher< wandeln zwischen den >Statuen< umher.
    Wichtig ist, dass die >Besucher< die Statuen interessiert betrachten [anstatt zu versuchen, sie zum Lachen zu bringen…]
    Nun wechseln die Funktionen der >Exponate< und der >Besucher<.
  • Szene II: Die Lehrkraft teilt Wortkarten mit neuen Situtionen an die >Besucher< aus. Sie wandeln zwischen den >Statuen< durch und lesen diesen die Situation auf der Wortkarte zu. Die >Statuen< gehen in die entsprechende Darstellungsposition bis der nächste >Besucher< vorbeikommt.
  • Aufgaben der Lehrkraft: Erklärung der Aufgabe, Moderation der Wechsel, Impulse zur deutlicheren Darstellung der Emotionen

 

 

 
*[Die Übungen entstammen dem Seminar für Szenisches Spiel an der Uni Würzburg mit den Studierenden Jan Felix Guse, Kristina Root, Paula Allertseder und Evelyn Wolff.]